Dienstag, 13. Februar 2018

Messe Jagd & Hund - zu viel Jagd, zu wenig Hund

Jagdhunde wollen jagen / (c) Schnaubert
Messen mit Hunden sind eigentlich nicht so mein Ding, und das aus zwei Gründen.
Der erste und wichtigere ist, dass ich zu oft gestresste und unfreundlich behandete Hunde sehe und mir dabei das Herz blutet.
Der andere Grund ist - es gibt meistens zu viel Tolles zu sehen und leider auch zu kaufen ...

Ich sag's euch ganz ehrlich - auf der Messe "Jagd und Hund" gab es leider zu viel ersteres und relativ wenig letzteres - das Fazit also zuerst - muss ich nicht noch mal hin!

Auf geht's... (c) Landgrafe
Aber fangen wir vorne an.
18,- Euro Eintritt finde ich noch ganz okay. Zusätzlich gab es am Anfang noch zwei Hallen "Fischen und Angeln", nicht so ganz meine Welt, da also erstmal nur durchlaufen.

6 Hallen waren belegt, jede mit einem anderen Themenschwerpunkt.

Es gab tolle Geländewagen mitsamt einem Parcours für Todesmutige zu bestaunen, mit und ohne integriertem Tarnungsaufbau wie hydraulischen Hochsitzen und Equipment drum herum.

Übers Dach hinweg... (c) Landgrafe
Hier gab es auch einen Showbereich, in dem unter anderem auch die Begleithunde und Jagdhunde bei der Arbeit vorgeführt wurden. Es wurden verschiedene Übungen gezeigt zum Thema Gehorsam, Stöbern und Apportieren.
Verschiedene Rassen zeigten ihr Können unter Ablenkung, und ich finde, die Hunde machten das echt toll.
Einige der Besitzer eher weniger.
Damit meine ich den Umgang mit den Hunden. Es gab durchaus welche, die liebevoll-konsequent gerabeitet haben, das fand ich wirklich toll anzusehen.
Wenn man genau hinschaute, sah man leider auch die Furcht einiger Hunde vor ihren Besitzern. Da genügte teilweise eine abrupt Gewichtsverlagerung in ihre Richtung oder eine kleine Handbewegung, und die Hunde duckten sich hastig zu Boden.
Gehorsamstraining (c) Landgrafe

 Beim Vorführen der "Down-Übung" (der Hund liegt im Platz mit dem Kopf zwischen den Pfoten am Boden) wurde ein Hund sehr unsanft korrigiert, indem der leicht seitlich abgelegte Kopf angehoben und in die richtige Lage gelegt... nee, gelegt kann man schon nicht mehr dazu sagen... heftig hingepackt wurde.
Aua. Armer Hund, blöder Besitzer! Dem hätte ich auch gern zur Korrektur das Köpfchen auf den Boden gedonnert! Mehrfach!! Nur um sicher zu gehen.

Ich gestehe - ich bin in solchen Situationen sehr emotional und wenig professionell. Unnötige Härte und Gewalt gegen Tiere macht mich halt wütend.

Das Schlimmste war aber ein Mann mit seiner schwarzen Hündin. Das arme Geschöpf war tot innerlich, seelenlose stumpfe Augen, mechanische lustlose Bewegungen, ein schreckliches Bild für mich. Diese arme Jagdhündin war wirklich zu einem Werkzeug degradiert worden, das funktionieren musste. Und wehe nicht!
Bei so etwas könnte ich heulen und möchte den Besitzer gern verhauen. Und ihm dann verbieten, jemals wieder in seinem Leben einen Hund halten zu dürfen. Solche Menschen verdienen keine Hunde!
Ich hoffe, das kosmische Karma greift hier irgendwann mal ein. You get, what you give.

Ich bin froh zu wissen, dass viele Jäger mittlerweile mit ihren Hunden zusammen arbeiten, statt sie so lange zu be-arbeiten, bis sie quasi willenlos auf Knopfdruck "funktionieren", aus Angst vor Strafen und Schmerz.

Greifvögel - wunderschön (c) Landgrafe

Dann die nächste Halle mit Bühne, auf der den ganzen Tag kleine Vorführungen stattfanden, wie z.B. die Greifvogelschau mit Falken, Bussarden, Eulen und Adlern - was sehr interessant war. Auch ein Frettchen war dabei, alles sehr nett und freundlich vorgestellt, mitsamt kleiner Flugvorführung.

Die Vorführung der verschiedenen Jagdhunderassen war zwar interessant, weil auch ich nicht alle Rassen auf dem Schirm hatte und ehrlich gesagt auch nicht alle sofort voneinander unerscheiden kann.
Die Handler, also die Hundeführer, schleiften allerdings ihre aufgeregten Hunde meist recht unsensibel über die Bühne im Kreis, ohne ihnen ein wenig Zeit und Raum zu geben, um sich umzuschauen und mit der Situation klar zu kommen. Es gab nur wenige darunter, die ihre Hunde tatsächlich vernünftig führten. 
Ein klares Minus an die meisten Hundeführer und leider reichlich Punkte für das Klischee "ein Jagdhund muss einfach nur funktionieren".
Ja ich weiß, es gibt viele tolle Jäger und Hundeführer - die waren nur leider nicht dort.

Es gab die "Klamotten-Halle" mit Tarn- und Jagdbekleidung in "Fifty shades of grün" oder sehr kreativen Farben, vermutlich für öffentliche Auftritte oder Feste der gehobenen Jäger-Damenwelt. Schicke Hüte, bekloppte Hüte und praktische Hüte gab es auch.
Wer sowas auf'm Kopf trägt... (c) Landgrafe
 Die Waffenhalle mit Gewehren, Pistolen, Messern und entsprechenden Hüllen und Tresoren haben wir nur mit mäßigem Interesse durchquert.

Die Halle mit den Wildspezialitäten war dagegen ganz prima und ich fand es erstaunlich, welche Tiere man in verschiedenen Variationen essen kann *lach*.
Das Wildschweinschinkenbrötchen war jedenfalls recht lecker. Und natürlich durften dort auch Wein, Schnaps und anderes Hochprozentiges nicht fehlen.

Es gab eine Halle mit Hundespielzeug, Bettchen, Decken und Erziehungshilfsmitteln *brech*, die man in Deutschland zwar kaufen, aber nicht anwenden darf - nämlich Reizstromgeräte.
Hinter dem harmlosen Namen verbirgt sich ein Halsband, das auf Knopfdruck Stromstöße an der empfindlichen Kehle des Hundes verteilt, und von der Kehle ist der "Stromkreis" zum Hirn nicht weit - das macht mächtig "AUA!" und ist, wie gesagt, in der Anwendung verboten - auch Jägern! Es gibt keinerlei Ausnahmen!
Leider war das Interesse recht groß ... weitere Punkte fürs Klischee "Jagdhund = Werkzeug".

Leucht-Hund (c) Landgrafe
Spannend hingegen fand ich, dass ich mal Schlagschutzwesten für Hunde anschauen und anfassen konnte. Diese Westen dienen dem Schutz des Jagdhundes, besonders bei der Wildschweinjagd. Schweine sind nämlich echt fies, wenn man sie töten will (wer wäre das nicht?) und können Hunde mit ihren großen Hauern regelrecht aufschlitzen.

In der hintersten Halle waren die verschiedenen Rassehunde-Clubs angesiedelt und gab es gab noch einiges an Leckerlis und weiteren Bettchen etc. zu kaufen.

Eine tolle Abwechslung auf der Messe - der Stand von "Finderwille" - das sind die tollen Leute, die nix tot machen, sondern Hunde nasentechnisch ausbilden und fördern, u.a. beim Mantrailing und der Geruchsdifferenzierung. Ein positiver "Aussteller-Exot" - ich fand's mutig und toll, dass sie sich dort präsentiert haben.
Motorsägen-Schnitzkunst (c) Landgrafe

Kommen wir zu den Hallen, bei denen uns schlecht wurde, die wir aber leider durchqueren mussten, weil es sich technisch nicht anders machen ließ.

Jagdreisen ...
Vorab - ich respektiere Jäger und die Jagd, sofern sie nicht zu Egozwecken ausgeübt wird. Ich mag auch hin und wieder Reh, Hirsch und Wildschwein essen.

Aber ich sag's euch ganz ehrlich - ich werde NIEMALS die Menschen verstehen, die aus purer Lust am Töten meiner Meinung nach schützenswerte Tiere für teures Geld abballern dürfen und sich dann breit grinsend auf Fotos mit dem toten Tier präsentieren.

Was ist bitte heldenhaft daran, ein Tier aus großer Entfernung mit einer Präzisionswaffe zu erlegen?

Das ist für mich feiger Mord und einfach nur widerlich. Leider kann man damit sehr viel Geld machen.

Plüsch ist okay :) (c) Landgrafe
Trotzdem - nö (c) Landgrafe
Wir hielten teilweise den Atem an und schauten nur noch zu Boden, als wir an den ausgestellten und ausgestopften Jagdtrophäen von afrikanischen und auch europäischen Wildtieren vorbeigehen mussten. Bei einem Wolf in voller Größe musste ich fast weinen, so weh tat mir der Anblick.
Ich versteh es halt nicht und will es auch nicht verstehen.



Nochmal Fazit - für mich persönlich zu viel Jagd, zu wenig Hund.
Nein danke, nicht noch mal.


P.S.: Ich hab ein dünnes, aber weiches Viscoschaum-Bettchen für Gioya und ein Spielzeug gekauft, sowie zwei leichte Dummys fürs Training, das war's. Das als robust angepriesene, zugegeben sehr preiswerte Spielzeug hat meinem Raptor, äh... Setter gerade mal 10 Minuten stand gehalten, dann war es Schrott...