kleine Vita von Frau Träääner

Ich bin mit Hunden aufgewachsen.... so beginnen die meisten "Über mich"-Seiten von Hundetrainern.
Bei mir stimmt das nur bedingt.

Ich wollte immer eine KATZE! Nachdem aber drei Katzen eines gewaltsamen Todes durch Jäger oder an der Straße starben, war das Thema in unserem Hause sozusagen 'gegessen'.

Als ich dreizehn war, bekam ich stattdessen einen Hundewelpen, einen kleinen Cockerspaniel namens "Trixie". Die kleine rote Clownsnase änderte mein Leben dramatisch. Sie gab mir so viel und ich ihr auch... nicht immer Nettes, wenn ich ehrlich bin.
Zu dieser Zeit war Hundetraining mit Strafe und Gewalt verbunden und normal so. Und woher sollte ein dreizehnjähriges Mädchen wissen, wie man einen quirligen Hund erzieht?

Trotz allem war sie ein Engel auf Pfoten, ein wahrer Engel, denn sie rettete im selben Jahr mein Leben, wortwörtlich. Weiteres wäre zu persönlich an dieser Stelle.
Fakt ist - ich war bereit zu gehen und sie tat alles, um das zu verhindern.
Erfolgreich. Sonst könnte ich jetzt nicht darüber schreiben.

Dennoch kamen, als ich erwachsen wurde und meine erste eigene Wohnung hatte, erstmal wieder meine geliebten Katzen, mehrere davon.
Erst mit Mitte Dreißig begann ich mich zu fragen, ob das alles in meinem Leben sei. Ich wollte einen Hund und diesen gut erziehen, ohne Gewalt. Das war mir nachhaltig in Kopf und Bauch geblieben - nie wieder sowas!

Also machte ich eine Ausbildung zum Gebrauchshundeausbilder und Problemhundtherapeuten. Gar nicht, um Hundetrainerin zu werden, sondern nur, um meinen zukünftigen Hund gut ausbilden zu können.
Ein Jahr später machte mein Mann eine Ausbildung zum Hundeverhaltenstherapeuten - diesmal durchaus, um eine Hundeschule zu eröffnen -  und dann kam "Ty" in unser Leben.

Ty und ich - wir waren ein Team und er fehlt ...
Ty war zweieinhalb Jahre alt, ein Malamute-Collie-Herdenschutz-Mixrüde aus dem Tierschutz.
Ein Hund, der bereits drei Mal abgegeben worden war.
Ein Hund, der aufgrund seiner Unberechenbarkeit und scharfer Zähne schwer zu vermitteln war.

Wir waren voll motiviert und dachten, das kriegen wir doch hin und alles ist super, schließlich sind wir jetzt Hundetrainer ...
Wir konnten nicht falscher liegen!

Kaum etwas von alledem, was wir gelernt hatten, konnten wir bei diesem Hund anwenden, ohne auf massiven Widerstand seinerseits zu stoßen! Ty blockierte, sträubte sich, schaltete auf taub und stur und attackierte uns sogar mehrfach.
Da standen wir nun, frisch ausgebildet und stellten fest, dass wir enorme Ausbildungslücken hatten! Ähnlich wie ein Führerschein-Neuling, der zwar den Führerschein hat, aber im Winter Schweißausbrüche bekommt, weil er im Sommer fahren gelernt hat.

Ty wurde unser beider größter Lehrmeister und schickte uns auf den Weg, um empathischer, kreativer und sanfter im Training zu werden. Wir lernten enorm viel über Hundeverhalten, das Anbieten von Alternativen, kreativ zu trainieren und was einen Hund motiviert, dass tief verwurzeltes Verhalten nicht gelöscht, aber durch gutes Alternativtraining überlagert oder zumindest gesteuert werden kann.

Und dass man nicht perfekt sein muss. Nichts im Leben ist perfekt. Ty war es nicht, wir waren es nicht - und trotzdem war nach gut drei Jahren intensivem, täglichem Training alles gut für uns und ihn.

Ty lernte, uns zu vertrauen und sich zu beherrschen, er lernte uns zu lesen und wir lernten, ihn zu lesen. Wir beschützten und führten ihn durch dieses Leben, und so musste er sich nicht mehr aggressiv verteidigen.  
Das machten wir für ihn. Ja, auch manchmal aggressiv, gegen "Tut-nixe" und Menschen, die ihn unbedingt anfassen wollten und nicht verstanden, dass er 'einfach so' bestimmen durfte, nicht gestreichelt zu werden!

Aufgrund seiner speziellen Geschichte und seines bis zum Schluss emotional-flexiblen Verhaltens in Ausnahmesituationen machte ich unzählige Fortbildungen, Weiterbildungen, Workshops und Seminare zu den Themen positives Training, Clickertraining, Tierkommunikation, dem Geben von Führung und Sicherheit und vielem mehr mit.

Nur sieben Jahre waren uns vergönnt, ehe er durch einen Blutinfekt starb. Doch diese sieben Jahre waren unsere intensiven Lehrjahre, live, in Farbe, täglich, 24/7 sozusagen.
Was wir durch ihn lernen durften, half uns im Training mit Kundenhunden.

Langsam stieg ich mehr und mehr ins Hundetraining, bzw. ins Coachen von Hundehaltern ein und machte endlich im Februar 2017 den Schritt in die Selbstständigkeit.
Ich persönlich arbeite viel aus dem Bauch heraus, gepaart mit einem großen Hintergrundwissen über das Verhalten und die Kommunikation von Hunden.

Mit Sibirian wooly Husky Dayan und English Setter Mädchen Gioya, beide aus dem Tierschutz, ist unsere Familie im Moment komplett.
Gioya, Dayan und ich, Herbst 2017